Vitalstoff-Blog

Gluten – ein Irrtum?

Posted in Ernährung, Wissenschaft by Uwe Alschner on 20. Februar 2017


In der folgenden Geschichte geht es um Wahrheit. Genauer gesagt um Wissenschaft und Journalismus, die sich beide darum bemühen, die Dinge so darzustellen und zu erklären, wie sie sind. Manchmal gelingt das. Manchmal geht es schief. »Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.« Mir kam die Weisheit in den Sinn, als ich die neueste Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brandeins und die dort abgedruckte Geschichte über Gluten las. Unter der Überschrift Lukrativer Irrglaube berichtet das Heft über eine vermeintlich „maßlos übertriebene“ Angst vor Gluten. Wie es sich für guten Journalismus gehört, hat die Geschichte nicht nur einen Aufhänger (die erste glutenfreie Konditorei in Düsseldorf), sondern auch eine Quelle, auf der die Grundaussage des Beitrags fußt. Welche Quelle könnte besser geeignet sein, um Angst vor Gluten zu bewerten, als eine wissenschaftliche Koryphäe. Was brandeins übersehen hat: der Wissenschaftler, den sie zitieren, sitzt im Glashaus. Und mit ihm die ganze schöne Geschichte! (more…)

Vitamin D in den Schlagzeilen?

Posted in Vitamin D, Wissenschaft by Uwe Alschner on 23. Februar 2016
Holick

Prof. Dr. Michael F. Holick

Der Doyen der Vitamin D-Foschung, Professor Michael F. Holick, MD, sieht im Gespräch mit dem Vitalstoff-Blogmehr Fragen als Antworten“ nach der Studie zu möglichen Gefahren von Vitamin D bei älteren Menschen. Er warnt davor, voreilige Schlüsse aus der Untersuchung zu ziehen. (more…)

Natürliche Auslese

Prof. Bruce Ames in seinem Büro an der UC, Berkely

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie unterhalten sich mit jemandem über Gesundheit. Vielleicht, weil Sie ein Kompliment erhalten haben ob ihres Aussehens und ihrer Fitness. Sie erzählen, dass Sie seit geraumer Zeit (in meinem Fall: acht Jahre) Vitalstoffe zu sich nehmen, und nachdem sie ihrem Gegenüber erklärt haben, was darunter zu vestehen ist (nämlich die Zufuhr essentieller und semi-essentieller Grundstoffe des menschlichen Stoffwechsels), bekommen Sie zu hören: »Ach, das brauche ich nicht. Ich bin ja gesund.« (more…)

Wissenschaft? Sauber?

Posted in Journalismus, Wissenschaft by Uwe Alschner on 9. Juni 2015

Wissenschaftlich alles andere als sauber: finanzielle Interessen bei Wissenschaftlern, die sich für Hersteller aus dem Anwendungsbereich ihres Fachgebietes engagieren

Wissenschaftlich alles andere als sauber: finanzielle Interessen bei Wissenschaftlern, die sich für Hersteller aus dem Anwendungsbereich ihres Fachgebietes engagieren

Immer wieder werden in den Medien Berichte über die vermeintlichen Gefahren (worst case) oder fehlenden Nutzen (best case) von Vitalstoffen publiziert. Ein regelrecht satirischer Beitrag des ZDF zum Thema Schlank durch Schokolade zeigt jetzt, wie in mehrfacher Hinsicht fragwürdig (um nicht strafrechtliche Bewertungskriterien zu zitieren) diese Verquickung von Medienschlampigkeit und wissenschaftlichem Schein wirklich ist.

Am Beispiel einer erfundenen Diät mit Schokolade zeigen die Autoren Diana Löbl und Peter Onneken, wie leicht eine gefälschte Studie erstellt und in einem Fachjournal publiziert werden kann. Peer Review, ein vermeintliches Gütesiegel zur Sicherung wissenschaftlicher Qualität, hat sich in dem Beispiel für mickrige 600 Euro Publikationsgebühr sprichwörtlich kaufen lassen. Als Folge hat sich die Meldung über den ausgedachten Schlankheitswert von Schokolade zunächst bundesweit in Leitmedien wie BILD, und dann international in Europa, USA bis ins Frühstücksfernsehen nach Australien verbreitet. Ohne dass es eine wissenschaftliche Grundlage gab. (more…)

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In eigener Sache

Posted in Ernährung, Nahrungsergänzung, Vitalstoffe by Uwe Alschner on 2. Januar 2015

Dieses Blog beschäftigt sich mit Mikronährstoffen. Der gestern veröffentlichte Beitrag, so haben mich einige Leser gefragt, hatte damit weniger zu tun. Ob sich der Schwerpunkt des Vitalstoff-Blogs nun verschiebt, wollte ein Leser wissen. Ganz sicher nicht. Im Gegenteil: der Beitrag drehte sich um die Erkenntnisse und Einsichten von Robyn O’Brien als ehemaluger Expertin in der Bewertung von Lebensmittelkonzernen. Ganz nebenbei aber enhält der verlinkte TED-Vortrag (von dem es weitere auf YouTube gibt) und die Beiträge von Robyn O’Brien einige Details, die erklären helfen, warum es wichtig ist, Vitalstoffe zu ergänzen.

Das Geschäftsmodell, von dem Robyn berichtet, welches rücksichtslos und ohne nachhaltiges Risiko-Assessment seit zwanzig, dreißig Jahren neue technologische Kunstprodukte in die Nahrung hat einbauen lassen (in den USA mehr als hier in Europa, aber auch hier läuft im Orinzip das gleiche!) lautete: »Shelf-Life-Extension«.

Am dramatischen Ende der Folgen-Skala zeigte sich dann immer deutlicher die unmittelbar pathologische Wirkung: Zunahme von Erkrankungen wie Asthma, ADHS, Allergie und Autismus.
Dazu schreibt der Arzt in diesem Vorwort einiges. Unter anderem auch vom grundsätzlichen Wert, den Vitalstoffe hier haben, weil sie den oxidativen Stress im Kindeskörper lindern/puffern.
Was er nicht schreibt, ist dass am unteren Ende der Folgen-Skala zwar keine Erkrankungen in Form manifester Pathologien entstanden sind. Doch dies hat einzig und allein seinen Grund darin, dass viele Kinder schlicht noch „zu gesund“ waren/sind, als dass sie Krankheitsbilder entwickelt hätten. Denn klar ist: auch in ihren Körpern hat das selbe stattgefunden. Sie haben die selben Dinge gegessen. Nur hatten sie – zum Glück – eine bessere Grundkonstitution als ihre Geschwister. Sprich: sie hatten noch mehr Puffer, den sie in die Waagschale werfen konnten. Gezehrt hat alles genau so an ihnen, wie an ihren Altersgenossen.

Seit Jahrzehnten läuft bei uns das selbe Spiel: kommerzielle Interessen haben „Monopoly gespielt“. Sie haben versucht, alles in puncto Lebensmitteltechnologie zu nutzen, was irgendwie ging, um die Verwertbarkeit ihrer Produkte zu steigern. Der Preis dafür war einer, der sich erst nach und nach in seiner vollen Höhe zeigte: die Nährstoffe, die der Nahrung entzogen wurden, um sie leichter/schneller zu verarbeiten, bzw. länger im Regal stehen lassen zu können, bis ein Käufer kommt (Profit durch mehr Umsatz, geringere Logistik- oder sogar geringere Produktionskosten), diese Nährstoffe haben den Kindern gefehlt. Uns Erwachsenen zwar auch, aber im Unterschied zu den Kids haben wir unsere Entwicklung abgeschlossen. Die Kinder müssen erst noch ihren Körper und ihre Persönlichkeit voll herausbilden. Dazu benötigen sie das beste Material für einen optimalen Stoffwechsel.

Statt dessen haben sie Zeug von der Industrie vorgesetzt bekommen, welches nicht nur „das Beste“ entzogen bekommen hat, sondern welches zunehmend so manipuliert wurde, dass der stoffwechsel dieser Kinder massiv belasted wurde. Entzündungsprozesse, andere Auto-Immunreaktionen und oxidativer Stress auf der einen Seite. Ein geschwächtes Entgiftungssystem des Kindes auf der anderen Seite, was dazu führt, dass der Körper (vor allem die Leber) viele Toxine schlicht nicht mehr loswerden kann.

Hinter jeden Prozess könnte ein Buchhalter biochemischer Grundlagen vermerken, wieviel dem gesunden Kind an den zahlreichen Vitalstoffen, derer sein Organismus bedarf, erst gar nicht mehr zugeführt wurde (das dem Lebensmittel vorab oder im Produktionsprozess entzogen wurde) oder wieviel „Kredit“ die Bindegewebe und Knochen des Kindes dem Organismus gegeben haben, indem sie als „Ersatzlieferanten“ für Säureblocker oder andere Mineralien herhalten mussten. Die Dimensionen messen sich also sowohl in mangelnder Zufuhr als auch in erhöhtem Verbrauch.

Es ist nicht möglich, zwei Kinder, die miteinander aufwachsen, diesbezüglich zu vergleichen, um einen „Normzustand“ zu definieren. Oder um zu sehen, wem es besser ergangen ist. Dazu sind die jeweiligen Grundvoraussetzungen, mit denen Kinder auf die Welt gekommen sind, zu unterschiedlich (angefangen vom genetischen Erbe der Eltern, ihrem Lebenswandel vor und während der Zeugung, dem Verlauf der Schwangerschaft, dem Zeitpunkt der Geburt im Jahreszyklus Sommer/Winter, den Erkrankungen seit der Geburt, ihrer Ernährung und Lebenswandel etc. etc.). Was man allerdings vergleichen kann, ist der Saldo dessen, was ein Kind heute zu sich nimmt, und dem, was es vor dreissig, fünfzig, hundert oder tausend Jahren zu sich genommen hat. Ein solcher Vergleich läuft mit Ausnahme der Zahl der Brennwerte (Kalorien) sehr sicher zu ungunsten der heutigen Kinder aus. Ihre Nahrung ist in hohem Maße industrialisiert (angefangen bei der Säuglingsnahrung, selbst wenn die Mutter stillt) und nahezu allen essentiellen Nährstoffen entzogen. Denn diese sind empfindlich. Und sie vertragen keine technischen Manipulationen.

Daher versorge ich meinen Körper, und den meiner Kinder, mit hochwertigen, möglichst natürlichen Vitalstoffen. Selbst mit dieser Grundlage haben unsere Körper heute jeden Tag Höchstleistungen bei der Bewältigung von Streß, der Abwehr von Giften und Keimen und bei der Verdauung der Nahrung zu vollbringen. Ohne geht es gar nicht, da bin ich sicher!

Pretty Woman oder Bewusstsein für das Wesentliche

Posted in Eigenverantwortung, Ernährung, Industrie, Lobbyismus by Uwe Alschner on 2. Januar 2015

Robyn O'Brien, Ex-Finanzanalystin der Nahrungsindustrie und Aktivistin für gesundes Essen. Ein Allergieschock ihres jüngsten Kindes bewirkte das Umdenken.

Robyn O’Brien, Ex-Finanzanalystin der Nahrungsindustrie und Aktivistin für gesundes Essen. Ein Allergieschock ihres jüngsten Kindes bewirkte das Umdenken.

Was sagt Ihnen der Name Julia Roberts? Wer nicht ins Kino geht, wird hier vermutlich passen. Jene, die mit dem Namen etwas anfangen können, denken sofort an … Pretty Woman. Und dass dies so ist, sagt eine Menge aus über uns und unsere Kultur. Nichts gegen schöne Frauen (oder Männer: Matthew McConaughey ist, wenn überhaupt, auch eher für seine Rolle in Surfer Dude im weiblichen Gedächtnis, denn für seinen Part als AIDS-Kranker Rebell Ron Woodrooff im OSCAR-Hit Dallas Buyers Club), doch es wäre besser um unsere Gesellschaft bestellt, wenn Julia Roberts bei mehr Menschen mit ihrer Rolle als Erin Brockovich in Erinnerung geblieben wäre. Erin Brockovich ist eine zwar auch attraktive, aber vor allem entschlossene Kämpferin gegen Unrecht und für Verbraucherrechte. Dass wir uns statt ihrer an eine namenlose Prostituierte erinnern, wenn wir an große Rollen der Schauspielerin Julia Roberts denken, sagt viel mehr über uns aus, als uns lieb sein wird. Doch es ist so.
Allerdings gibt es Hoffnung. Und die wird unter anderem verkörpert durch Menschen wie Robyn O’Brien. Das gemeinsame zwischen Brockovich und O’Brien ist nicht in erster Linie ihr Äußeres. Es ist ihr Einsatz gegen starke kommerzielle Interessengruppen. Wo sich die eine gegen einen Milliarden schweren Energiekonzern behauptet hat, kämpft Robyn O’Brien gegen die Nahrungsmittelindustrie. Und Sie weiß genau, mit wem sie es in diesem Kampf zu tun hat: die Texanerin war jahrelang Finanzanalystin für die Börsenperformance von Multis wie Kraft, Nestlé und anderen.
Ihre Geschichte ist die einer typischen Baby-Boomerin: Aufgewachsen als All-American-Girl im Süden der USA, schlau, Studium mit Prädikatsexamen und dann Karriere in einer Männerdomäne: Analysten sind Alpha-Tiere. Sie bewegen Milliarden mit ihren Empfehlungen, und sie lassen es ihre Umwelt deutlich spüren, wie gut sie sind. Wer neu dazu kommt, muss mit dem Vorlieb nehmen, was übrig ist. Für Robyn O’Brien, einzige Frau in einem Team von Männern, war das die Nahrungsmittelindustrie. Sie lernte die Branche kennen, und durchaus auch lieben. Businesspläne von Konsumgüterherstellern machten ihr Spaß.
Bis eines Tages ihre jüngste Tochter am Frühstückstisch mit einem allergischen Schock kollabierte. Die Mutter verstand die Welt nicht mehr, als ihr die Kinderärzte von der rasanten Zunahme der Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten in wenigen Jahren berichteten. Die Rede war von ihrer Branche, doch sie hatte keine Ahnung. Das sollte sich ändern. Robyn recherchierte nächtelang. Und was sie entdeckte, schmeckte ihr ganz und gar nicht. „Betriebswirtschaftlich konnte ich nachvollziehen, warum man die Lebensmittel immer stärker labortechnisch veränderte. Die Produkte konnten länger konserviert werden, was die Dauer erhöhte, in der sie abverkauft werden konnten, ohne zu verderben. Profit. Klar. Aber der Preis ist eine gigantische Zunahme an ernsthaften Erkrankungen. Warum hat man uns davon nichts gesagt,“ berichtet sie inzwischen regelmäßig in ihren Auftritten.

Robyn O’Brien ist klar geworden, dass es von ihr, wie von jedem einzelnen abhängt, eine Änderung herbei zu führen. Informationen sind da. Sie müssen genutzt werden. Von Investoren, die nicht mehr länger auf Methoden setzen sollen, in denen Profitstreben die Manipulation unserer Lebensmittel rechtfertigt. Der Kampf gegen Gentechnisch veränderte Organismen (GMOs) ist ein wichtiges Aktionsfeld für Robyn O’Brien geworden. Mit ihrerm Hintergrund als Analystin überzeugt sie mehr und mehr Investoren, dass diese Anlagestrategie nur kurzfristig Erträge verspricht, langfristig jedoch enorme Kosten auf die Volkswirtschaft zukommen werden. Entsetzt berichtet O’Brien davon, dass die USA zweieinhalb mal mehr ausgeben für ihr Gesundheitswesen als andere Länder. Und sie ist in der Lage, dies in einen Zusammenhang zur Entwicklung in der Lebensmitteltechnologie zu setzen.
Doch auch die Verbraucher können – und müssen – ihren Beitrag leisten. Wie erwähnt: die Informationen sind da. Es müssen Konsequenzen daraus gezogen werden. Die Nahrung muss nicht nur bewusster erzeugt, sondern auch bewusster eingekauft werden!

Europa mit seiner kritischen Haltung gegen Gentechnik dient O’Brien in ihrer Argumentation in den USA als Vorbild. Doch auch hier ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Neben GMOs sind viele andere Zusatzstoffe auch in Europa und bei der hier ansässigen Industrie (Nestlé, Unilever und Co.) beliebt. Shelf-life, Haltbarkeit, ist Zeit, und Zeit ist Geld. Daneben wirken durch geschicktes Lobbying die selben Kräfte, die O’Brien in den USA beklagt: Die Industrie setzt einen erheblichen Teil ihrer Erlöse ein, um bei politischen Entscheidungsträgern für bessere Rahmenbedingungen für ihre Branche zu sorgen. Und besser für die einen, ist manchmal schlicht synonym für „schlechter für die anderen„. Zulassungsverfahren für altbewährte und sichere Produkte werden plötzlich (im Namen des Verbraucherschutzes) eingeführt. Gerade kleine und mittelgroße Produzenten sind davon in viel stärkerem Maße betroffen als Multinationale Konzerne, weil sie sich die aufwändigen Prozesse schlicht nicht leisten können.
Eine immer weithin Gefahr besteht in den vermeintlichen Segnungen der transatlantischen Handelszusammenarbeit, die über Abkommen wie TTIP zu einer Angleichung der Bedingungen führen. Geworben wird von Politik und Großindustrie mit den zu erwartenden Einsparungen und Zuwachs an Arbeitsplätzen. Ob die Zahlen, die hier ins Feld geführt werden, realistisch sind, wird vielfach bezweifelt. Fatal daran ist, dass tatsächliche oder behauptete Vorteile mit inakzeptablen Nachteilen verknüpft werden. Insbesondere Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sind berührt. „Investorenschutz“ ist hier das Codewort. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine ernste Gefahr: Konzerne können Staaten vor Privatgerichte zerren, wenn sie sich von staatlicher Willkür bedroht sehen.
Klingt vernünftig? Nun, im Beispiel von Robyn O’Brien bedeutet dies möglicherweise, dass Verbote gegen den Einsatz von Gentechnik nicht mehr möglich sein werden, wenn sich die Konzerne wie Monsanto mit ihren Klagen an die Schiedsgerichte wenden. Obwohl keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirkung von gentechnisch veränderten Organismen auf die menschliche Gesundheit vorliegen, kann in den USA kann eine Zulassung (für ein Gentechnik-Produkt) nur verweigert werden, wenn die Schädlichkeit bewiesen ist. Ein solcher Beweis ist in der Praxis oft nicht zu führen, da sich häufig Wissenschaftler finden, die eine Schädlichkeit selbst dann noch in Zweifel ziehen, wenn es längst erdrückende Indizien durch die beobachtete Wirkung gibt. Bis heute werden sowohl die Gefahren von Passivrauchen, als auch die Ursachen des Klimawandels, wie auch die Gefahren von Gentechnisch veränderten Organismen nach wie vor von einzelnen Wissenschaftlern angezweifelt. In Europa, und erst recht in Deutschland führt daher das Fürsorgeprinzip des Staates zur Gefahrenabwehr dazu, dass Anwendungen untersagt werden. TTIP könnte dazu führen, dass solche Verbote der Zulassung von GMOs zukünftig als „staatliche Willkür“ vor ein Schiedsgericht gebracht werden könnten. Unter Umständen wären sogar Verordnungen zur Kennzeichnungspflicht (gibt es in Europa für GMOs, nicht aber in den USA) ein „Handelshemmnis“ und dürften zukünftig nicht mehr verlangt werden.

Informationen über TTIP

Hier klicken, um Ihre Ablehnung des TTIP-Abkommens in der gegenwärtigen Form zu erklären

Man wundert sich …

Posted in Forschung, Journalismus, Prävention, Wissenschaft by Uwe Alschner on 25. November 2014

»Länger Leben dank Sonnenhormon« – Eine Schlagzeile, die aufhorchen lässt. Es geschieht nicht alle Tage, dass in der Tagespresse positiv über Vitalstoffe berichtet wird. Hier war es der Fall. Zumindest in der Überschrift und in weiten Teilen des Textes wird sehr positiv über die gesundheitsfördernde Wirkung von Vitamin D berichtet. Allein schon aus diesem Grund lohnt sich eine Beschäftigung mit diesem Artikel aus dem Tagesspiegel. Vielmehr als die Nachricht selbst („Menschen mit ausreichend Vitamin D im Blut erfreuen sich besserer Gesundheit als solche mit einem Mangel.„) ist der Aufbau des Berichtes von Interesse. Der verrät nämlich einiges über die Vieldeutigkeit der Wissenschaftlichen Erkenntnisse. Denn obwohl die Ergebnisse dänischer Forscher, über die der Tagesspiegel berichtet, einen klaren Zusammenhang zwischen einem hohen Vitamin-D-Spiegel und einer besseren Gesundheit nachweisen konnten, mussten die Forscher eine Einschränkung einbauen: Es sei unklar, ob der Zusammenhang ursächlich sei, oder lediglich eine Folge eines anderen, unerforschten Grundes. Es könne nicht ausgeschlossen werden, so heisst es in dem Bericht, „dass eine dritte Tatsache ein wichtige Rolle spielt. So ist Vitamin-D-Mangel häufig mit ungesundem Lebensstil verknüpft, der wiederum das höhere Krankheitsrisiko erklären kann.“ Ei oder Henne, was war zuerst da? (more…)

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie …

Tödlich und korrupt ist das Geschäft der Pharmaindustrie, so das Buch von Peter Gøtzsche

Tödlich und korrupt ist das Geschäft der Pharmaindustrie, so das Buch von Peter Gøtzsche

Mit schöner Regelmässigkeit kehrt sie wieder: die Meldung auf allen Kanälen, wonach nun endlich bewiesen sei, dass Vitalstoffe nicht nur nichts nützen, sondern sogar schädlich sein können. Das Ende der Vitaminpille, titelte der SPIEGEL. Hier ist weniger ein Wunsch der Vater des Gedankens, als dass ein ziemlich offensichtliches Hand-in-Hand-Wirken von vermeintlichem Qualitätsjournalismus mit den Interessen einer Milliardenindustrie zutage tritt. Systematisch nämlich werden immer wieder die Sinnhaftigkeit oder gar die Existenzberechtigung von Vitalstoffen in den Medien in Zweifel gezogen, während auf der anderen Seite die Pharmaindustrie als Wolf im Schafspelz auftritt und selbst eigene „Vitalstoff-Experten“ etabliert. Ziel des Unterfangens: die Kontrolle über alles, was zu Vitalstoffen gesagt und angewendet werden darf.
Ausgangspunkt der neuen Welle gegen Vitalstoffe ist eines der angesehensten medizinischen Journale, die Annals of Internal Medicine. Am 17. Dezember 2013 veröffentlichten die Annals drei Studien zum medizinischen Nutzen von Vitalstoffen bei verschiedenen Indikationen. Die erste Studie untersuchte den Zusammenhang von hochdosierten Mineralien und Vitaminen mit der Häufigkeit eines Rückfalls nach Herzinfarkten.
Die zweite Studie untersuchte, wie sich die Einnahme eines Multivitaminproduktes auf die Erhaltung der geistigen Fähigkeiten älterer Männer auswirkte. Die dritte Studie widmete sich der Frage nach der Wirksamkeit von Vitamin- und Mineralstoffergänzung zur Vorbeugung von Krebs und Herz-/Kreislauf-Erkrankungen. In einem zusammenfassenden Editorial kamen dabei die Herausgeber der Annals zu dem verbreiteten Verdikt: „Genug ist Genug! Beendet die Geldverschwendung für Vitamin- und Mineralstoff-Supplemente“.

Pharma-Anzeigen finanzieren Fachjournale

Diese Schlagzeile ist aus zwei Gründen skandalös: (more…)

B-Vitamine und ihre Bedeutung bei Demenz und Alzheimer

Posted in B-Vitamine, evidenzbasierte Medizin, Forschung, Pharma-Lobby, Wissenschaft by Uwe Alschner on 22. Mai 2013

Ammonit, Foto: Böhringer Friedrich

Die Überschrift dieses Beitrages ist bewusst sachlich gehalten. Es ging mir um größtmögliche Wirkung dieses Beitrages. Wirkung, nicht Aufmerksamkeit. Wenn es das Ziel gewesen wäre, mit diesem Beitrag Wellen zu schlagen, hätte dieser Beitrag eine andere Headline gebraucht. Etwa so: Sorgen Pharma-Interessen dafür, dass Demenzkranke keine Hilfe bekommen?
Worum geht es? Wie so oft, mehren sich die Anzeichen, dass Vitalstoffe wichtige Funktionen nicht nur für die Prävention, sondern auch für die Therapie von Erkrankten übernehmen. An vielen Stellen, auch auf dieser Plattform ist es dann ein Kampf gegen Vorurteile. Evidenzbasierte Medizin, lautet das Stichwort. Es fehle an Beweisen, dass Mikronährstoffe, also Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Fett- und Aminosäuren, tatsächlich therapeutische Wirkungen besitzen. Randomisierte Doppelblindstudien (RCT) gelten als der Königsweg, um den therapeutischen Nutzen eines Wirkstoffs zu belegen. Da Mikronährstoffe in der Natur, auch in menschlichen Zellen, im Verbund wirken, ist es unglaublich teuer und aufwändig, solche Randomisierten Doppelblindstudien für Vitalstoffe durchzuführen. Fast könnte man meinen, es ist unmöglich, weil die Anzahl der Faktoren, die zusammen wirken, und damit die Komplexität der Studie, zu groß ist, um sie in RCT-Studien abzubilden.
Nun legen zwei namhafte Organisationen solche Studien vor, die zeigen, dass Vitamin B eine zentrale und starke Rolle in der Therapie von Demenz und Alzheimer spielen. Doch nichts passiert. (more…)

Verkalkung

Posted in evidenzbasierte Medizin, Journalismus, Mangelversorgung, Qualität, Vitamin C, Vitamin D, Wissenschaft by Uwe Alschner on 25. Februar 2013

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Da waren sie wieder, die Gralshüter der wissenschaftlichen Exaktheit, Verteidiger der Wahrheit und Anwälte der Patienteninteressen: „Riskante Pillen! Nierensteine durch Vitamin C“ titelte die Ärztezeitung unter Berufung auf eine schwedische Studie. Dergleichen findet sich oft und schnell, sofern es darum geht, die „Gefahren“ von Supplementation herauszustreichen. Selten fehlt bei diesen „Warnungen“ der Hinweis, dass es keine „Beweise“ für die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungen gebe. Ein objektiver Zusammenhang als wissenschaftlicher Beweis könne nur durch „randomisierte Doppelblindstudien“ gezeigt werden. Unabhängig von der Fragwürdigkeit dieser Argumentation ist es bemerkenswert, wie diese Maßstäbe nicht gelten sollen, wenn es um die vermeintlichen Risiken geht. Die besagte Studie aus Schweden ist nämlich eines gerade nicht: randomisiert und doppelblind.

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